Initiative STOLPERSTEINE
für Kempten und Umgebung e.V.
Ein dezentrales Denkmal für die Opfer des NS-Regimes
in unserer Nachbarschaft.
Mitteilungen und Aktivitäten
save the date
Im Mai kommen neue Namen zurück nach Kempten.
Wir verlegen neue Stolpersteine für Menschen, die als Zwangsarbeiter ins Allgäu verschleppt wurden. Die allermeisten von ihnen sind namenlos geblieben. Diese nicht.
Donnerstag, 13. Mai 2027, ab ca. 10 Uhr
Hofgarten Kempten, am zentralen Mahnmal
Dort liegen auch die Steine für Boleslaw Baran und Josef Chalupka.
Kommt dazu. Das Programm folgt hier.
Bis dahin, ladet euch das Sharepic herunter und verschickt es an Freunde, Familie und Bekannte.
Neu: Mit der App zu unseren Stolpersteinen
03.09.2026
Die Stolpersteine aus Kempten und Umgebung sind jetzt im Stolpersteine Guide hinterlegt. Die App zeigt auf einer Karte, welche Steine gerade in Ihrer Nähe liegen. Ein Tippen genügt, und Sie lesen die Biografie des Menschen, an den der Stein erinnert, mit Bildern und weiterführenden Informationen.
Die App ist kostenlos für iOS und Android und funktioniert bundesweit — einmal installiert, gehen Sie auch anderswo an keinem Messingstein mehr vorbei
kostenlos für iOS und Android
kreisbote-de > Lokales > Kempten
Willy Wirthgens Abschiedsbrief ist aufgetaucht
82 Jahre nach seiner Ermordung ist der Abschiedsbrief des Kemptener Widerstandskämpfers Willy Wirthgen wieder da. Der Kreisbote veröffentlicht ihn in seiner Ausgabe vom 22. August und ordnet ihn historisch ein.
Für Willy Wirthgen liegt seit 2010 ein Stolperstein in der Hohen Gasse 19. Was auf ihm steht, passt in acht Zeilen: geboren 1904, im Widerstand, Dachau, hingerichtet 1944 in Nordfrankreich. Was auf keinem Stein Platz hat, ist der Mensch dahinter. Genau den gibt dieser Brief zurück.
Wer ihn liest, erwartet vielleicht politische Bekenntnisse und findet etwas ganz anderes. Ein Mann, der weiß, dass er in wenigen Wochen erschossen wird, verbringt seine letzten geschriebenen Worte damit, sich zu bedanken. Bei Freunden aus einem Kempten, das mit seinem eigenen wenig zu tun hatte.
Und genau da wird der Fund über das persönliche Zeugnis hinaus bedeutsam. Unser 2. Vorsitzender Dr. Dieter Weber ordnet ihn im Kreisboten ein und kommt zu einem Schluss, der weiterreicht als eine Freundschaftsgeschichte: Der Widerstand gegen die NS-Diktatur könnte in Kempten und im Allgäu gesellschaftlich breiter verankert gewesen sein als bisher angenommen. Wer den Brief gefunden hat, an wen er gerichtet ist und warum er eine seit Jahrzehnten offene Frage berührt – das steht im Artikel.
kreisbote-de > Lokales > Kempten
Die Initiative „Stolpersteine“ nimmt zu möglichen Straßenumbenennungen Stellung
Offener Brief an die Mitglieder des Stadtrats Kempten
1. August 2026
Der Kemptener Stadtrat entscheidet über den Umgang mit Straßennamen, die nach NS-belasteten Personen benannt sind. Eine eigens eingesetzte Kommission hat acht Umbenennungen empfohlen. Als Initiative, die die Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes in Kempten wachhält, haben wir uns mit einem offenen Brief an alle Mitglieder des Stadtrats gewandt. Wir dokumentieren ihn hier im Wortlaut:
Sehr geehrte Damen und Herren,
für Josef Chalupka liegt ein Stolperstein im Hofgarten. Der polnische Zwangsarbeiter wurde am 16. Dezember 1943 auf Lenzfrieder Flur hingerichtet. Er wurde nur 20 Jahre alt. Anwesend war als Vertreter der Stadt der Zweite Bürgermeister Eugen Schraudy. Nach ihm ist in Kempten bis heute eine Straße benannt.
Wir verlegen Steine für Menschen, die hier entrechtet, verschleppt und ermordet wurden. Wir putzen diese Steine und lesen ihre Namen vor, gedenken der Menschen denen sie gewidmet sind. Und dann gehen wir durch eine Stadt, deren Schilder die Namen derer tragen, die dieses Unrecht verantwortet, betrieben oder bejubelt haben.
Diese Gleichzeitigkeit ist für uns kaum erträglich.
Man muss fragen, wie diese Namen überhaupt an die Schilder kamen. Die Antwort steht in den Akten: Es gab keine konsequente Entnazifizierung. Josef Rottenkolber, der 1938 antisemitische Zeitungsartikel schrieb und 1944 einen eigenen Schüler an die Polizei auslieferte, wurde von der Spruchkammer als „Mitläufer” eingestuft – 1972 bekam er seine Straße. August Fischer, seit 1938 Mitglied der Allgemeinen SS und an Zwangssterilisierungen beteiligt, entging der Entnazifizierung durch die Heimkehreramnestie, wurde 1952 Oberbürgermeister von Kempten und schrieb 1953 dem NS-Kreisleiter Anton Brändle einen wohlwollenden Nachruf. 1986 wurde ein Platz nach ihm benannt. Und als der Stadtrat im selben Jahr den Maler Hermann Dietze ehrte, nannte er dessen Erfolge, „seitdem er 1937 im Haus der Deutschen Kunst ausstellte”, ausdrücklich als Begründung.
Diese Namen sind also nicht versehentlich auf die Schilder geraten.
Sie kamen dorthin, weil dieselben Netzwerke weiter in Ämtern saßen, weil dasselbe Gedankengut in der Bevölkerung weiterlebte und weil man Belastung nicht als Belastung sah, sondern als Verdienst. Genau dieser Rückhalt wirkt bis heute. Wer heute erklärt, ein Straßenname sei doch bloß ein Name, verlängert diese Kontinuität.
Ein Straßenname ist keine Information, sondern eine Ehrung. Ein QR-Code daneben nimmt die Ehrung nicht zurück, er versieht sie mit einer Fußnote. Kontextualisierung kann bei ambivalenten Biografien der richtige Weg sein. Sie ist es nicht bei Menschen, die Zwangssterilisierungen forderten, KZ-Häftlinge anforderten, Zwangsarbeit organisierten oder Antisemitismus in Auflagen von Zehntausenden verbreiteten.
Die acht Umbenennungsempfehlungen der Kommission sind für uns das Minimum, nicht das Maximum.
Wir hören derzeit viel davon, man solle Geschichte nicht „auslöschen”. Das Gegenteil ist der Fall: Eine Umbenennung ist eine bewusste geschichtspolitische Entscheidung, die dokumentiert, begründet und nachlesbar ist. Ausgelöscht wurde bisher etwas anderes – nämlich die Frage, wer diese Namen wann und mit welcher Begründung vergeben hat. Und wenn in dieser Debatte mitschwingt, eine Umbenennung nehme der Stadt etwas weg, sie kränke gar das eigene Selbstbild, dann lohnt die Frage, wessen Vergangenheit hier eigentlich verteidigt wird.
Verloren hat 1945 der Nazifaschismus. Nicht Kempten.
Kempten kann der Opfer gedenken oder die Täter ehren. Beides zusammen geht nicht.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Christiane Jansen
1. Vorsitzende
Social Media
Stolpersteine Kempten jetzt auch auf Instagram und TikTok
Erinnerung braucht Reichweite – gerade bei jungen Menschen. Deshalb erzählen wir die Lebensgeschichten hinter den Kemptener Stolpersteinen ab sofort auch in kurzen Videos auf Instagram und TikTok.
Den Anfang macht Andor Ákos: Architekt von über 230 Bauwerken, Begründer des Allgäuer Landhausstils und erstes Todesopfer der NS-Rassenideologie in Kempten.
Sie finden uns unter:
Instagram: @stolpersteine.kempten
TikTok: @stolpersteine.kem
Folgen, teilen und weitersagen ausdrücklich erwünscht – jede Weiterempfehlung hilft, das Gedenken wachzuhalten.
Inhaltsreiche offene Mitgliederversammlung
In der offenen Mitgliederversammlung am 03.07.2026 hat sich die Initiative STOLPERSTEINE für Kempten und Umgebung e.V. einen neuen Vorstand gewählt.
Der langjährige, nun ausscheidende 1. Vorsitzende und Gründungsmitglied der Initiative, Martin Huss wurde aufgrund seiner Verdienste für den Verein zum Ehrenvorsitzenden ausgezeichnet. Auch der bisherige Schatzmeister und ebenfalls Gründungsmitglied der Kemptener Stolpersteine, Peter Winzheimer schied aus dem Vorstand aus. Er konnte auf eine sorgfältige Kassenführung verweisen. Die bisherige Schriftführerin Dr. Tatjana Weber trat bei der Vorstandswahl ebenfalls nicht wieder an. Alle drei ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden gebührend verabschiedet.
Der neue Vorstand setzt sich zusammen aus:
1. Vorsitzende: Dr. Christiane Jansen
2. Vorsitzender: Dr. Dieter Weber
Schatzmeister: Mathias Müller
Schriftführerin: Carina Negele
Als Beisitzer wurden Kurt Wirth und Tobias Barth gewählt.
Im weitere Verlauf der Mitgliederversammlung berichtete Markus Naumann (Vorsitzender des Heimatvereins und der Kemptener Kommission für Erinnerungskultur) über die Ergebnisse zur Überprüfung belasteter Strassennamen.
2. Vorsitzender Dr. Dieter Weber informierte die Versammlung über neue Forschungsergebnisse zum Opfer Willy Wirthgen (ein sehr persönlicher Abschiedsbrief) und weitere Familienangehörige (Nichten) des Opfers Siegmund Ullmann.
Theaterstück am 14.07.2026 zur Zwangsarbeit im Allgäu
Erneut stellen sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10aM der Mittelschule Sonthofen dem anspruchsvollen Thema der Zwangsarbeit im Allgäu. Das vorliegende Stück zeichnet die Lebens- und Leidenschgeschichte der polnischen Zwangsarbeitern Genoveva Sieradcka nach. Auch diese Aufführung wurde wissenschaftlich unterstützt von Dr. Tatjana Weber und Dr. Dieter Weber. Die szenische Umsetzung wird begleitet von der Theater-Pädagogin und Regisseurin Beate Schmidt sowie der Klassenlehrerin Anja Regensburger.
Einladung zur offenen Mitgliederversammlung
Die Initiative STOLPERSTEINE für Kempten und Umgebung e.V. lädt seine Mitglieder, Freunde und Interessierte zu einer offenen Mitgliederversammlung am 3. Juli 2026 16.30 Uhr ins Gemeindehaus der Markusgemeinde, Bussardweg 1 nach Kempten ein.
Da nicht nur Neuwahlen für den Vorstand, sondern auch aktuelle Vorträge zum Bericht der Kommission für Erinnerungskultur in Kempten (Vorsitzender Erinnerungskommission Markus Naumann) und den neuen Forschungsergebnissen zum NS-Opfer Willy Wirthgen und der Kemptener Familie von Sigmund Ullmann anstehen (2. Vorsitzender STOLPERSTEIN-Initiative Dr. Dieter Weber), ist eine vielseitige und spannende Mitgliederversammlung zu erwarten.
Kemptener Kommission zur Erinnerungskultur empfiehlt Umbenennung von acht Straßen.
Die Kemptener Kommission zur Erinnerungskultur legt nach langer interner Beratung ihre Empfehlung zur Umbenennung von Kemptener Straßennamen vor. Die Expertinnen und Experten empfehlen den Stadträten in acht Fällen eine Umbenennung von Straßen, da Personen durch Straßennamen geehrt werden, die vom Nazifaschismus nicht nur profitiert, sondern sich auch in besonders menschenverachtender Weise selbst verhalten haben. Zu diesen Personen gehören nach Erkenntnis der Kommission auch die die drei Ingenieure Porsche, Dornier und Messerschmitt sowie die beiden früheren Kemptener Bürgermeister Merkt und Fischer. Auch die Namen der Heimatdichterin Eberhard-Schobacher sowie des Historikers Rottenkolber sollen nicht mehr verwendet werden. Der Kemptener Stadtrat muss nun abschließend darüber entscheiden (Bericht in der Allgäuer Zeitung vom 27.04.2026).
Die Kemptener Bürger und Bürgerinnen hatten zudem am 05.02.2026 die Möglichkeit, sich im Zuge des "Bewegten Donnerstags" in einem Vortrag von Dr. Susanne Meinl und Frau Dr. Swantje Greve aus Berlin über das Wirken der drei Ingenieure Porsche, Dornier und Messerschmitt während der NS.-Zeit zu informieren (die Allgäuer Zeitung hatte am 15./16.02.2026 und der Kreisbote am 22.03.2026 darüber berichtet).
Eingestellt am 07.05.2026
Genoveva S. -
Schultheater über das Leben und Sterben einer polnischen Zwangsarbeiterin
Erneut haben sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10aM aus der Mittelschule Sonthofen in Kooperation mit der Theaterpädagogin Beate Schmidt und der Klassenleiterin Anja Regensburger mit dem Leben, Leiden und Sterben von polnischen Zwangsarbeitern im Allgäu befasst. In der gezeigten Aufführung stand die junge polnische Zwangsarbeiterin Genoveva Sieradcka im Mittelpunkt.
Die wissenschaftliche Unterstützung zu den historischen Daten leisteten Dr. Dieter Weber und Dr. Tatjana Weber (beide im Vorstand der Initiative Stolpersteine).
Die Aufführungen fanden unter großer Beteiligung am 18. und 19.April 2026 im Haus Oberallgäu in Sonthofen statt. Berichte folgten in der Allgäuer Zeitung sowie dem "Sonthofer".
Briefmarke ehrt die Stolpersteine
Bereits seit Dezember 2025 gibt die Post eine Briefmarke mit einem Stolperstein heraus, der die Aufschrift „NIE WIEDER IST JETZT“ trägt. Damit wird die Initative STOLPERSTEINE als weltweit größtes dezentrales Mahnmal geehrt, mit dem inzwischen an über 120.000 Menschen erinnert wird, die Opfer des Faschismus wurden. Doch damit nicht genug wurde sie trotz kurzem Erscheinungsdatum zum drittschönsten Motiv 2025 gewählt.
(Fotos: DHL)
Bild links: Künstler Gunter Demnig und Nikola Hagleitner (Vorständin Post & Paket Deutschland der DHL Group) bei der Veröffentlichung der Stolperstein- Briefmarke.
Gedenkfeier für die Opfer des Nazi-Faschismus am 24.01.2026 mit guter Beteiligung
Vor 81 Jahren wurde das Vernichtungslager Ausschwitz am 26. Januar von der sowjetischen Armee befreit. Die Initiative STOLPERSTEINE für Kempten und Umgebung lud zu diesem Anlass zu einem Stadtrundgang ein. Stellvertretend für die 12 Millionen zivilen Opfer wurde in diesem Jahr auf die 100.000 ermordeten Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten aufmerksam gemacht. Daher wurden die, für die Opfer von Euthanasie- Programmen, Maria Grosselfinger und Max Schwer, verlegten Stolpersteine besucht, gereinigt und aus dem Leben der Opfer berichtet. Oberbürgermeister Thomas Kiechle und Schülerinnen und Schüler des Allgäu Gymnsiums beteiligten sich aktiv mit Beiträgen an der Gestaltung der Gedenkfeier.